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Luftiges ablassen in der Lost World

Klettern in Sizilien

Ein für Gerda und mich Stefan neues Gebiet, San Vito Lo Capo auf Sizilien. Angenehme Temperaturen, ansprechende Klettergärten, und die einfache Erreichbarkeit machte uns die Entscheidung leicht. Zwei Wochen im Dezember auf Sizilien werden unsere Klettersaison verlängern.

Anreise 

Der nächtliche Aufbruch zum Flughafen München war begleitet von mehreren Warnungen über gefrierenden Regen auf der Fahrbahn. Wir schaffen es Gottseidank ohne Komplikationen zum Flughafen. Temperaturen um den Gefrierpunkt, Regen, und weit und breit kein brauchbarer Schnee in Ostösterreich geben uns das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben mit dir Flucht in den Süden.

Ankunft in Palermo

Zwanzig Grad Celsius, kaum Wind dafür Sonnenschein empfangen uns am Flughafen Palermo. Während der Übernahme des Mietautos tausche ich die Zustiegsschuhe und Schisocken gegen die Flip Flops und Sonnenbrille. Es fühlt sich bereits an wie Urlaub!

San Vito Lo Capo

Liebevoll San Vito genannt, liegt die Stadt ganz im Nordwesten der Insel und ist quasi umzingelt von Klettergärten. Wir checken in unserem Zimmer, packen das Kletterzeug zusammen und machen uns gleich auf zu den Klettersektoren am Strand. Das Ziel Grotta di Cala Mancina.
Auf dem teilweise holprigen Fahrweg, von Straße kann keine Rede sein, fahren wir mit dem Mietauto bis fast direkt vor die Felswand. Zustieg eine Minute. Die Wand sieht gewaltig aus. Schöner Fels, von weiß bis orange rötlich. Die Höhe der Wand beeindruckt uns vom Auto aus. Es sieht nach langen vierzig Meter Touren aus, bis wir im rechten Wandteil einen Kletterer erkennen der uns die Proportionen ins rechte Licht rückt. Zuerst war für uns der Kletterer viel zu groß. Bis wir dann einsehen mussten das die Wand nur halb so hoch ist wie wir Anfangs dachten. Routenlänge um die 20 Meter, nicht wie anfangs geschätzte 40 Meter. Selten so getäuscht! Die Kletterei ist fantastisch! Sonnenschein, das rauschen des Meeres hinter uns, dieser Küstenabschnitt ist einfach  wunderschön.

Verschiedene Klettergärten

Unser Ziel für die nächsten beiden Wochen war es möglichst viele der Klettergärten kennenzulernen und die uns ansprechenden Routen zu klettern. Für mich besonders reizvoll die Gebiete mit Sintern und Sinterknollen. Zuhause in Oberösterreich haben Sinter Seltenheitswert. Wer an Sintern  klettern will kommt um die Never Sleeping Wall nicht herum und somit steht unser Ziel für Tag zwei fest. Wir klettern ein paar einfache Routen an dieser tollen Wand, die leider etwas feucht und schmierig ist an diesem Tag. Wir wechseln zum Sektor Parco Cerriolo, dort haben wir leider ebenso schlechte Verhältnisse. Es schmiert gewaltig und klettern macht keinen Spass. Es fühlt sich an wie mit eingeseiften Händen auf glatten Fels zu klettern. Nicht lässig. Am Ende werden wir fündig! Hinter dem Camping El Bahira finden wir perfekte Verhältnisse und interessante Routen, Sonnenuntergang im Meer inklusive. 

Klettern jeden Tag

Die nächsten Tage laufen meist sehr ähnlich ab. Gemütlich Frühstücken und dabei den Klettergarten auswählen. Hinfahren, zusteigen und Klettern bis es fast dunkel wird. Circa bis 16:30, auf dem Rückweg zum Zimmer manchmal in die Bar des San Vito Climbing Houses auf ein kaltes Getränk.  Danach Abendessen und auf den nächsten Klettertag vorbereiten. So lernen wir die Sektoren Crowns of Aragon, Lost World, Grotta del Cavallo, Calamancina, Cattedrale nel deserto, Nuova Ossessione und ein paar weitere kennen.
Jeden Tag klettern stimmt aber nicht ganz. Am Freitag den 13ten war an klettern nicht zu denken. Starker Niederschlag und extremer Wind, fast schon patagonische Verhältnisse, verschafften uns einen Rasttag genau in der Mitte unseres Aufenthaltes. Perfekt!

Infos zum klettern rund um San Vito Lo Capo

Die Felsen trocknen meist schnell und es kann fast immer geklettert werden. Regen am Vormittag klettern Nachmittag war diesen Dezember immer möglich, mit Ausnahme des 13.
Anfällig für schmierige Verhältnisse sind nach unserer Erfahrung die Never Sleeping Wall, Parco Cerriolo und Nuova Ossessione. Lange schmierig bleiben die Löcher. Sinter- Sinterknollen haben meist gute Reibung und sind eher großgriffig. Augen auf bei der Routenwahl. 

Die Bar

absolut einen Besuch wert! Gleichzeitig ist die Bar auch der Klettershop.

Kletterführer

Di Roccia di Sole / Klettern auf Sizilien Versante Süd
Kletterführer für die gesamte Insel circa 1/4 des Führers behandelt die San Vito Lo Capo 
Gegend.

Sicily- Rock / Sicilia – sport climbing
Beschreibt die Klettergebiete um San Vito. Etwas mehr Detailinfos zu den Routen. Die Topos bestehen aus Wandfotos mit den eingezeichneten Linien, das erleichtert die Orientierung. 

Für uns war eine Kombination aus beiden Kletterführern eine gute Lösung. Die Bewertungen der beiden Führer unterscheiden sich teilweise. Meiner Meinung nach ist meist eher die leichtere Bewertung zutreffend.

Klettern in Meeresnähe

Aufgrund der Nähe zum Meer ist die Verwitterung des Klettermaterial das fix in der Wand verbleibt deutlich stärker als zum Beispiel in Österreich. Daher sollte man den Blick genau auf diese Sachen schärfen. Starke Verwitterung und Rost sind nie ein gutes Zeichen.

Bohrhaken Material
Die meisten Routen wurden bereits saniert und weisen gutes Hakenmaterial auf. Danke an die unermüdlichen Sanierungsarbeiten der Locals. Dennoch sind teilweise alte, gefährliche, zum teil selbstgebastelte Haken zu finden. Vorsicht ist geboten! Ebenso ein geschultes Auge. Die Haltekräfte von stark verrostetem Material ist nicht einzuschätzen im Zweifelsfall besser auf die Route verzichten.

Schnappkarabiner an Standplätzen und fixe Expressen
Auch hier gilt es das Material kritisch einzuschätzen. Fixe Expressen sind sehr kritisch zu beurteilen aber auch sehr selten. Generell sollte man etwas mehr Vorsicht walten lassen als in unseren Breiten fernab vom Salzwasser.

Fazit

Wir kommen wieder!
San Vito Lo Capo ist absolut einen Besuch wert, super Fels in einem besonderen Ambiente. In den französischen Schwierigkeitsgraden bis 7a gibt es extrem viele Routen. Wer gerne etwas schwerer klettern möchte wird ebenso fündig und für einen zwei Wöchigen Aufenthalt hat es für uns alle mal gereicht. 

 

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